1919 - Zivil-Leben

Die Verhältnisse wurden nun allmählich wieder geordneter und etwas Ruhe trat ein. Ich hatte meine Beschäftigung bei der Fa.Hupfeld wieder, denn die Betriebe usw. mußten ihre alten Leute von vor dem Krieg wieder einstellen. Jegliche Accordarbeit war ausgeschaltet. Der Lohn der Zeit angepaßt. Es war auch nicht so einfach, nach 4 Jahren Krieg, immer im Freien, in dunstigen Fabriksälen wieder zu sein. Diese Umstellung brauchte geraume Zeit.

Also am 2ten Januar 1919 trat ich bei obiger Firma wieder in Arbeit. Doch wurden die Wochen bzw. Monate durch Streiken des öfteren unterbrochen. Wenn man auch durch den Deutschen Holzarbeiterverband unterstützt wurde, so hatte man immer beträchtlichen Schaden. Selbst wenn ein Erfolg durch einen Streik erzielt wurde. In den Jahren 1919 bis 1923 kam es vor, daß in einem Jahr 3 mal gestreikt wurde, 4 Wochen war immer die Durchschnittsdauer.

Revolution und Kriegsende 1918

Meine liebe Frau empfing mich am Bahnhof. Der Urlaub währte vom 22.0kt bis 12.Nov.18, an welchem Tag ich wieder in Pinsk eintreffen sollte. Ich verlebte die Tage in Glück und Zufriedenheit. Doch sollte es ganz anders kommen. Während des Urlaubs waren schon in größeren Orten Deutschlands Bewegungen im Gange.
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Oktober 1918

Am 30.Sept. 18 begann unser Dienst. Von 1 - 1/2 3 vor der Offz.Speiseanstalt Konzert, um 5 Uhr Beerdigung von drei Österreichern auf dem Ehrenfriedhof. Derselbe lag 1 1/4 Std. von unserem Quartier entfernt. Am 2.0kt. waren zweimal Beerdigungen.

Die zweite ein Österreichischer Offizier, welcher in Nicolajew ermordet wurde, des abends auf offener Straße inmitten der Stadt. Wir mußten auch nun mit scharf geladenen Schußwaffen durch die Straßen gehen. Auch immer zu zwei Mann mindestens. (weiter lesen …)

September 1918

Es begann nun wieder das gewohnte Leben. Einzige Abwechslung brachte der Dienst im Gymnasium und Theater bis wir am 13.Sept. plötzlich wieder eine Dienstreise zum II.Batl. nach Kamenka machen mußten. Am genannten Tage fuhren wir mit einem Wolgadampfer nachts 1/2 3 Uhr in Kachowka ab. Um 11 Uhr sollte das Schiff da sein, doch nach echt russischer Weise kam es so spät. Wir hatten guten Platz erhalten und konnten 3 Stunden schlafen.

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August 1918

Am Sonntag, den 4.August 18 geschah etwas peinliches für uns. Es war Feldgottesdienst und die Musik dazu laut Rgt.Befehl zum Dienst befohlen. Da der Chorführer Untoffz. Graubner, der Feldwebel Musikleiter Buschmann war auf Urlaub, den Befehl nicht gelesen hatte und eine Ordonanz zu spät geschickt wurde, so war die Folge, daß die Musik zu spät zum Gottesdienst kam, wofür alle 3 Tage Arrest erhielten. Da jedoch keiner von uns Vorstrafen hatte, so blieb es bei einem strengen Verweis.
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Juli 1918

So kam der 6.Juli heran, an welchem Tag wir wieder eine Dienstreise machten zum II.Batl. nach Kamenka. Wir fuhren bereits am 5.Juli 18 in Kachowka abends 11 Uhr mit Schiff ab, den Dnjepr-Fluß stromaufwärts und kamen am 6.Juli 18 nachm. 2 Ulhr in Kamenka an.

Auf dem Schiff gab es interessante Bilder und Gruppen. Alles lag durcheinander und schlief auf dem Fußboden. Frauen, Mädchen, Männer, Kinder, Soldaten. Am Tage sah man große wohlgenährte Rinderund Schafherden. Auch schöne Dörfer, dazwischen mal mit ein echtes Russendorf, welches mehr an Rumänien erinnert.
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Juni 1918

Am 6.Juni 18 machten wir eine Dienstreise nach Alechki. Wir fuhren früh 1/ 2 8 in Kachowka ab mit Dampfer nach Cherson, stiegen dort um und ebenfalls mit Schiff nach Alechki. Der Ort war wunderbar. Auch hier spielten wir täglich 2 mal, abends immer von 8-10 Uhr im Park. Das Quartier war hübsch bei Juden. Die Juden sprachen übrigens überall, wo wir waren, deutsch sehr gut. Am 9.Juni spielten wir großes Konzert im Theater mit Ball, (Einnahme ca. 1200 Rubel) desgl. am 11.Juni für die Kameraden (a 30 Kopeken = 300 Rubel Gesamteinnahmen).
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